Die fünf Elemente und der formative Prozess
- Sinah Siegfried

- vor 8 Stunden
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Der formative Prozess – vom Feinstofflichen in die Materie
Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Philosophen mit der Frage, woraus unsere materielle Welt besteht. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus formulierte Empedokles die Lehre der vier Elemente: Feuer, Luft, Wasser und Erde. Später ergänzte Aristoteles mit dem Äther ein fünftes Prinzip – den Raum, aus dem alles entsteht.
Die Elemente spielen seitdem eine zentrale Rolle in Alchemie, Medizin, Astrologie und vielen spirituellen Traditionen. Auch in anderen Kulturen, etwa in China, finden wir elementare Ordnungsprinzipien – wenn auch in anderer Ausprägung.
Doch was bedeuten die fünf Elemente aus Sicht der Polaritytherapie?
In der Polaritytherapie beschreiben sie einen formativen Prozess – einen Weg vom Unsichtbaren ins Sichtbare, vom Potenzial in die konkrete Form. Dieser Prozess zeigt sich überall: in der embryonalen Entwicklung, in der persönlichen Reifung, in Projekten, in Teams – und sogar im alltäglichen Handeln.

Der Mensch zwischen Himmel und Erde
Im Yoga sind auch die Chakren den Elementen zugeordnet. Der Mensch wird hier als Verbindungsglied zwischen Himmel und Erde verstanden.
Die oberen Chakren sind stärker mit dem Geistigen verbunden – mit Inspiration, Bewusstsein und Raum. Die unteren Chakren bilden den Weg zur Verkörperung.
Der formative Prozess der fünf Elemente

Jede Manifestation folgt einer inneren Ordnung:
1. Äther – Raum
Am Anfang steht der Raum. Noch ist nichts konkret – doch alles ist möglich. Äther ist Weite, Potenzial, reines Sein, Stille. Ohne Raum kann nichts entstehen.
Der Äther ist die Quelle und formlos

2. Luft – Idee
Im Raum entsteht eine Vorstellung. Ein Gedanke formt sich. Luft steht für Inspiration, Kommunikation und Beweglichkeit.
Im Ungleichgewicht bleibt alles in der Idee – viele Impulse, aber keine Umsetzung.

3. Feuer – Fokus und Abgrenzung
Damit aus einer Idee Wirklichkeit wird, braucht es Entscheidung. Feuer bündelt Energie, setzt Grenzen und richtet aus.
Hier entsteht Form durch Abgrenzung. Zu viel Feuer kann jedoch hart oder egozentrisch wirken oder verbrennen.

4. Wasser – Verbindung und Gefühl
Wasser bringt Beziehung ins Spiel. Es fragt: Fühlt sich das stimmig an? Was braucht es noch?
Wasser verbindet, passt sich an und schafft emotionale Resonanz. Im Übermaß kann es jedoch seine Form verlieren.

5. Erde – Materie und Stabilität
In der Erde wird die Idee greifbar. Sie bekommt Gewicht, Struktur und Bestand.
Geduld, Ausdauer und Verwurzelung gehören hierher. Zu viel Erde kann starr und unbeweglich sein.
Elemente im Alltag – ein einfaches Beispiel
Nehmen wir einen Umzug:
Ich habe einen leeren Raum (Äther).
Ich denke darüber nach, welche Möbel ich kaufen möchte (Luft).
Ich entscheide mich für ein bestimmtes Stück (Feuer).
Ich spüre, ob es sich wirklich richtig anfühlt (Wasser).
Ich kaufe es und stelle es auf (Erde).
Jede Idee durchläuft diesen Verdichtungsprozess.
Die Elemente in der Teamentwicklung
Auch Teamprozesse spiegeln diese Ordnung wider:
Forming – Luft (Ideen, Austausch, Orientierung)
Storming – Feuer (Konflikte, Abgrenzung, Klärung)
Norming – Wasser (Verbindung, Zusammenarbeit)
Performing – Erde (Umsetzung, Stabilität, Ergebnisse)
Adjourning – Äther (Auflösung, Raum für Neues)
Geburt als elementarer Prozess
Selbst die Geburt folgt diesem Muster:
Äther: Ein geschützter Raum entsteht.
Luft: Bewegung, Atmung, Rhythmus der Wehen.
Feuer: Die kraftvolle Austreibungsphase.
Wasser: Bonding, Nähe, emotionale Verbindung.
Erde: Das Neugeborene ist in der Materie angekommen – es ist verkörpert und wird genährt.
Vom Feinstofflichen zur Form
Betrachten wir die Elemente als Verdichtung, so ist Luft noch sehr fein, Erde am dichtesten. Jede Schöpfung – ob Idee, Projekt oder Leben – bewegt sich durch diese Stufen.
Der formative Prozess erinnert uns daran, dass Umsetzung Zeit braucht. Dass zwischen Vision und Manifestation mehrere Ebenen wirken. Und dass jedes Element seinen eigenen Wert hat.
Manchmal fehlt uns nicht die Idee – sondern der Fokus.
Manchmal nicht die Kraft – sondern die Verbindung.
Und manchmal braucht es schlicht Geduld, damit etwas in der Erde ankommen darf.
Die Übergänge von einem Element in das nächste sind oft kritisch, denn wir verlassen eine altbekannte Form für eine neue Unbekannte.
In der Polaritytherapie arbeiten wir mit den Elementen und den kritischen Übergängen und laden Ungleichgewichte ein, sich neu zu organisieren.


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